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Gegen Hass und Häme (hate speech) im Netz

Teilnahme am Webinar der Deutschen Botschaft Den Haag

Neben vielen Vorzügen, die soziale Medien im Sinne von Vernetzung, Austausch und Handel darstellen, so eröffnen sie auch eine Bühne für diffamierende Äußerungen. Mit diesem Phänomen setzte sich das Webinar „Combating hate speech online“ Mitte April auseinander, an dem Vertreter der Juniorbotschafter sowie des Philosophie Grundkurs 12 teilnehmen konnten.

Angestoßen und durchgeführt wurde das digitale Treffen von der Deutschen Botschaft in Den Haag, wobei Mitinitiatorin Ingrid Jung, ehemalige Schülerin unserer Schule, besonders daran gelegen war, Schüler*innen und junge Erwachsene nicht nur in der Zuschauerschaft, sondern auch als Impulsgeber mit dabei zu haben. So war es im Vorfeld der Veranstaltung möglich, Fragen enzureichen, die Moderatorin Anna-Lena von Hodenberg, Direktorin der Initiative Hate Aid, einer gemeinnützigen GmbH zur Beratung und Unterstützung von Opfern von Online-Hass mit Sitz in Berlin, gekonnt einzubinden verstand. Darüber hinaus war es den Zuschauern möglich, über die Plattform Menimeter an Abstimmungen zu bestimmten Fragestellungen teilzunehmen und so den interaktiven Charakter der Live-Veranstaltung zu unterstreichen.

Im Gespräch mit prominenten Vertretern aus Politik, gemeinnützigen Institutionen, Interessensgruppen und der Künstlerszene wurde zunächst der Begriff hate speech näher beleuchtet. Dabei wurde klar, dass hate speech mehr ist als nur eine Beleidigung, sondern ein Ausdruck von Gewalt und Missbrauch, der Gruppen diskriminiert. In der Regel handele es sich dabei um eine Gruppe mit wenigen gesellschaftlichen Privilegien, so Dr. Anna Mirga-Kruszelnicka, stellv. Direktorin des European Roma Institute for Arts and Culture. Dies mache es schwer, solche sprachlichen Entgleisungen zu ignorieren, da sie nicht nur gegen die jeweilige Person, sondern gegen eine gesamte Gruppe gerichtet seien. Ursächlich für das Auftreten dieser unbeherrschten Äußerungen sei der Schutzmantel der Anonymität im Netz, aber auch eine hohe persönliche Frustration des Schreibers, oftmals gepaart mit rassistischem Gedankengut und dem Erleben wachsender sozialen Spannungen. Autorin und Poetin Rachel Rumai Diaz, die einen beeindruckenden lyrischen Beitrag zum Thema des Webinars lieferte, sprach sogar von einer giftigen Atmosphäre in den Industrienationen, die es gerade Frauen schwer mache, Führungsposten einzunehmen. Der Umgang mit hasserfüllten Nachrichten werde als ein notwendiges Übel betrachtet, das Frauen in verantwortlichen Posten zu ertragen hätten.

Eng verbunden mit der Ursachenforschung wurde in diesem Webinar auch die Frage nach dem Umgang mit dem Phänomen hate speech untersucht. Nach Jeroen Schokkenbroek, Director of Anti-Discrimination in the Directorate General of Democracy des Europarates, sollte die Gesetzeslage verschärft und eine strafrechtliche Verfolgung möglich werden. Dabei sei es die größte Herausforderung, die Balance zwischen dem Recht auf freie Meinungsäußerung und den Persönlichkeitsrechten, so dem Recht auf Würde zu ermitteln. Deutschland und Großbritannien seien Vorreiter in der Entwicklung neuer Gesetze, wobei es entscheidend sei, die Hightech-Industrie mitzunehmen und durch klare Regularien in ihrem Handeln gegen hate speech zu unterstützen. Zosja de Jager, Mitglied des Dutch Digital Youth Council, gab konkrete Hinweise für den alltäglichen Umgang. So helfe es, das Auftreten von hasserfüllten Äußerungen an die entsprechenden Plattformbetreiber zu melden, sich aber auch mit den Opfern im Netz öffentlich zu solidarisieren. Nani Jansen Reventlow, Anwältin für Menschenrechte, unterstrich, dass eine Erziehung und Aufklärung zu ethischem Handeln im Netz erfolgen müsse – und dies gelte nicht nur für die jüngere Generation, sondern gerade für die Generationen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen seien und sich häufig nur einen technischen Zugang antrainiert hätten. Einig waren sich alle Referenten, dass der Raum, den die neuen Medien bieten, nicht dem Hass und der Gewalt überlassen, sondern als Chance zum Austausch von positiven, friedvollen und demokratischen Gedanken genutzt werden sollte.

Auf insgesamt positive Resonanz stieß die Teilnahme an dem Webinar bei den Schüler*innen unserer Schule, die von der professionellen Aufbereitung, dem generationenübergreifenden Dialog und dem fundierten Einblick in das Thema hate speech sichtlich begeistert waren und sich zu weiterführenden philosophischen und politischen Diskussionen anregen ließen. Eine Erhöhung der Sensibilität im Umgang mit Hassreden im Internet sei ein Erfolg des Seminars, so die Oberstufenschüler*innen.

Autorin: Annette Gies